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„Ich brauche kein Geschlecht“

Ein Essay von Tyler Ford

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Als Kind gab es zwei Dinge, die ich mir jede Nacht vor dem Einschlafen gewünscht habe: eine Zahnspange (ich war seltsamerweise besessen von der Kieferorthopädie) und andere Geschlechtsteile. Ich wusste noch nicht so viel über Geschlecht, aber ich wusste, dass das Wort „Mädchen“ so unpassend war wie die Röcke, die ich mich weigerte zu tragen. Ab dem dritten Lebensjahr bestand ich darauf, dass mein Körper nicht mein eigener war und nicht der, den ich wollte.  Was „da unten“ war, hat sich in einer Weise falsch für mich angefühlt, die ich nicht beschreiben kann, aber ich wusste, dass es Menschen da draußen gab, die andere Geschlechtsteile hatten als ich und ich dachte, dass ich diese wollen könnte. Alle haben mich „Tomboy“ genannt; ich gab mich nur damit zufrieden, weil „Junge“ die Hälfte dieses Wortes ausmachte.

Doch als ich älter wurde, wollte ich Dinge erleben, die Mädchen erleben. Ich wollte dazugehören, ich wollte ein normales Teenagerleben führen – so wie ich es in Filmen gesehen habe. Und ich wollte von meinen Freund*innen wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Vor allem wollte ich erwachsen werden um eine Frau zu sein, weil ich die Frauen, die in meinem Leben waren, liebte und ich wollte mich mit ihnen identifizieren. Mein Wunsch als Junge zu leben und meine Unfähigkeit mich wie ein Mädchen zu fühlen, haben mich in die eine Richtung gedrängt und mein Wunsch, mich endlich in das einzufügen, was andere „Realität“ nennen – scheinbar der einzige Weg zur Normalität – drängten mich in die andere.

Manchmal habe ich mich wie Schaumgummi gefühlt – mit einem wirklich beschissenen Geschmack- das so lange gezogen wurde, bis ich mich nicht wiedererkennen konnte.

Die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich wie auf einem Pendel hin- und herschwingend, um herauszufinden, auf welcher Seite – Junge oder Mädchen – ich mich zwangsweise wohl fühlen würde.

Ich war jahrelang verzweifelt auf der Suche nach irgendeinem Gefühl von Stabilität, einem Gefühl von Zugehörigkeit zu einem dieser beiden Geschlechter, einem Gefühl, dass ich überhaupt irgendwo hingehörte.

Ich habe ein Jahr in BHs und Miniröcken verbracht und das nächste mit dem wöchentlichen Spritzen von 200mg Testosteron. Ich konnte meinen Körper verändern, andere Kleidung anziehen, meine Angewohnheiten und meine Sprache ändern und nichts davon konnte mein verwirrtes Herz ändern, das jedes Mal wie verrückt geschlagen hat, wenn ich versucht habe bei einem Geschlecht zu bleiben und ihm beibringen wollte sich richtig zu verhalten.

Während meines ganzen Lebens (und jetzt immer noch), haben die Leute mich als Zwischending zwischen männlich und weiblich betrachtet. Ich bin bei nichts „zwischendrin“ – außer den Grenzen der westlichen Geschlechterbinarität.

Meistens möchte ich die Tatsache, dass mein Körper überhaupt existiert, ignorieren. Ich bin ein wandelndes Gehirn; ich bin eine Sterngalaxie; ich bin unfähig, darin festgehalten und durch etwas so Begrenztes definiert zu werden. Meine Pronomina (they/them, [ neutrales Pronomen im Englischen ]) sind sowohl ein gellender Schrei gegen eine Geschlechterzuweisung ohne meine Zustimmung, als auch eine Art, wie ich sowohl alles, was ich bin und alles, was ich nicht bin, einschließen kann. Ich brauche nicht in eine oder zu einer Identität passen um zu existieren, um zu überleben, um es anderen Menschen recht zu machen. Ich brauche Platz und ich brauche Freiheit; ich brauche Mitgefühl und ich brauche Herzlichkeit; ich brauche Offenheit und ich brauche Verständnis; ich brauche meine eigene Liebe. Ich brauche kein Geschlecht.

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[ Übersetzt von Anja ]

Originaltext: http://everyoneisgay.com/i-do-not-need-gender/

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