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[ English version below ]

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Gestern gab es einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin.

Gestern gab es ein Attentat auf einen russischen Botschafter in Ankara.

Gestern gab es eine Schießerei in einer Moschee in Zürich.

Gestern wählte das Electoral College in den USA Donald Trump zu ihrem nächsten Präsidenten.

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Letzte Nacht hab ich getrauert.

Letzte Nacht hab ich mich gefragt, was ich noch glauben soll. Immer hab ich, bewusst oder unbewusst, an das Gute geglaubt. Daran, dass am Schluss das Gute siegt. Daran, dass die Menschen trotz der Verirrungen und Verwirrungen irgendwie doch ganz tief drin wissen, was wichtig ist.

Woran soll ich noch glauben, wenn ich das verliere? Wie soll ich ohne diese Überzeugung überhaupt mit irgendwas weitermachen?

Die Welt ist in einem furchtbaren Zustand. Schon sehr lange. Und es verdichtet sich. Es entlädt sich jetzt an so vielen Stellen. Und macht uns Angst.

Gestern fühlte ich mich mutlos.

Ich fühlte mich hilflos. Allein. Leer.

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Aber es gibt noch Dinge, die ich glaube.

Ich glaube, wir müssen versuchen, genau hinzusehen. Ich glaube, wir müssen versuchen, möglichst viel zu sehen und zu verstehen. Ich glaube, wir müssen uns den Schrecken und das Leid genau ansehen und dabei versuchen, das Gute nicht aus den Augen zu verlieren, das um uns herum ist.

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Vor allem in den Menschen überall um uns. Menschen, die hinsehen und verstehen, dass das alles eine unfassbar komplexe Aufgabe ist. Und die mutig genug sind, mit dem Entwirren anzufangen und nicht aufhören, nicht aufgeben angesichts des Ausmaßes dieser Aufgabe. Das sind Menschen, die täglich ehrenamtliche Hilfe leisten. Das sind Menschen, die protestieren. Das sind Menschen, die Kunst schaffen. Das sind Aktivist_innen wie Kristin Russo und Dannielle Owens-Reid, die Everyone Is Gay gegründet haben. Das sind Künstler_innen wie Zanele Muholi, Denice Frohman und Sookee. Das sind Autor_innen wie bell hooks, Chimamanda Ngozi Adichie und Sharon Dodua Otoo. Und so viele mehr. Hört ihnen zu. Seht sie euch an. Lest ihre Texte.

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Was wir nicht vergessen dürfen ist, unsere Sinne zu benutzen und auf sie zu vertrauen.

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Zu fühlen, dass wir nicht alleine kämpfen. Auch wenn es manchmal so scheint.

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Zu sehen, wie die Welt um uns herum aussieht. Das Schöne und das Schwere. Auch wenn alles manchmal so verschwurbelt und verheddert wirkt, dass wir lieber die Augen schließen wollen.

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Zu hören, was die Menschen sagen und ihnen zu glauben, wenn sie uns die Dinge aus ihrer Perspektive schildern.

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Zu denken, zu fragen, zu sprechen. Zu überprüfen, wo wir inmitten all dieses Durcheinanders stehen. Wie das, was wir tun, was wir sagen und wie wir leben, mit all dem Leid zusammenhängt. Zu verändern, was davon das Leid mit verursacht. Zu erklären, wenn wir merken, dass andere nicht merken, wie sie mit diesem ganzen Kuddelmuddel verwoben sind. Sie darauf aufmerksam machen, damit sie auch hinsehen.

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Lasst uns uns aneinander festhalten. Fühlen. Lernen. Verstehen. Lehren.

Lasst uns verbunden bleiben.

Bitte – lasst uns verbunden bleiben.

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Yesterday, there was an attack on a Christmas Market in Berlin.

Yesterday, there was an assassination of a Russian ambassador in Ankara.

Yesterday, there was a shooting in a Mosque in Zurich.

Yesterday, the Electoral College of the USA voted for Donald Trump as their next president.

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Last night I grieved.

Last night I asked myself what is left for me to believe. Always have I, consciously or not, believed in good. I believed that eventually, good will always win. I believed that people, despite all the aberrations and confusions, still know deep inside what is important.

What shall I believe in, if I lose this? How shall I, without this conviction, continue with anything?

The world is in a horrible condition. Has been for a long time. And it densifies. And now, it erupts in so many places. And scares us.

Yesterday, I felt discouraged.

I felt helpless. Alone. Hollow.

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But there are still things that I believe.

I believe that we must try to look closely. I believe that we must try to see and understand as much as possible. I believe that we need to take very close looks at the horror and the pain and yet try to not lose sight of the good surrounding us.

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Especially in the people around us. People who look closely and understand that all of this is an unbelievably complex task. And who are courageous enough to start unraveling it and who do not stop or give up facing the extent of this task. That’s people who do voluntary work every day. That’s people who protest. That’s people who create art. That’s activists like Kristin Russo and Dannielle Owens-Reid who founded Everyone Is Gay. That’s artists like Zanele Muholi, Denice Frohman and Sookee. That’s authors like bell hooks, Chimamanda Ngozi Adichie and Sharon Dodua Otoo. And so many more. Listen to them. Watch them. Read their texts.

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What we must not forget is to use our senses and to trust on them.

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To feel that we are not fighting alone. Even if it seems so sometimes.

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To see how the world surrounding us looks. The beauty as well as the heaviness. Even if everything seems so entangled and shambolic sometimes that we’d rather close our eyes.

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To hear what people say and to believe them when they describe to us how things look from their perspective.

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To reflect, to ask, to speak. To check where we stand in the midst of all this mess. How what we do, what we say and the way we live is connected to all this harm. To change whichever of these things cause any of this harm. To explain, when we notice that others don’t notice how they are intertwined with all this clutter. To draw their attention to it so they take a closer look, too.

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Let us hold on to one another. Feel. Learn. Understand. Teach.

Let’s stay connected.

Please – let’s stay connected.

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[ geschrieben von | written by Anna (M) ]

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